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KGM2017-5 Gemeindebrief
2017-5 Gemeindebrief

Angedacht

Liebe Leserinnen und Leser,
der Reformationstag am 31. Oktober ist in diesem Jahr 2017 ein gesetzlicher Feiertag. So haben wir die Freiheit, über „das Alltägliche“ hinaus zu denken. 500 Jahre sind seit Luthers Anschlag der 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg vergangen. Luther prangerte Missstände an und hinterfragte, was Autoritäten als wahr und richtig definierten. Er ist neue Wege gegangen und dachte über seine Zeit hinaus. In diesem Sinne war Luther Ideengeber und soziokultureller Avantgardist. Aber er blieb dennoch Zeit seines Lebens gefangen in unerbittlichem Hass auf das Ju-dentum, „die Türken“ und den Papst.

Freiheit hinter Gittern: Die grandiose Ausstellung Luther und die Avantgarde im ehemaligen Gefängnis in Wittenberg fragt nach:
Wer ist heute Impulsgeber, Mahner und Neuerer?
Sind Künstler*innen die gesellschaftliche Avantgarde unserer Zeit?

70 Künstler*innen aus aller Welt geben mit ihren Werken in den Gefäng-niszellen, im Hof und den Treppenfluren Antworten auf die drängenden Fragen von heute. In Auseinandersetzung mit dem Faszinosum Luther setzen sie sich, wie seiner Zeit der Reformator, intensiv mit Fragen der Freiheit, Demagogie, Widerstand, Verantwortung und Toleranz auseinander.

Der Boxhandschuh von Erwin Wurm im Hof des alten Gefängnis-ses setzt ein markantes Zeichen. Der Künstler begreift ihn als Zeichen für Haltung. Boxen bedeutet schnelle Hände, flinke Beine und einen klaren Kopf, um die Taktik des Gegners zu durchschauen und darauf zu reagieren. Im Idealfall steht am Ende einer Auseinander-setzung eine deutliche Position – das Gegenteil der vielen Halbwahr-heiten, die uns täglich in der virtuel-len und realen Welt als ultimative Fakten vorgesetzt werden.

Der überdimensionale Boxhandschuh funktioniert als universales Zeichen und ruft Assoziationen hervor: Kraft, Mut, Durchsetzungskraft, Widerstand. Sich durchboxen, nicht aufgeben, aber auch Respekt, Fairness und Aufrichtigkeit. All das sind Themen, die wir im Konfi-Camp in Wittenberg mit den Jugendlichen diskutiert haben und die uns weiter durch die Konfirmandenzeit bis zur Konfirmation und hof-fentlich darüber hinaus begleiten werden!

Ich grüße Sie herzlich,
Ihre Pfarrerin Andrea Thiemann

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