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KGM2019-3 Gemeindebrief
2019-3 Gemeindebrief

Angedacht

"Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir."

Psalm 139 Vers 5

Liebe Leserinnen und Leser,

unmerklich arbeitet unser Immunsystem und schützt und bewahrt unseren Körper vor schädlichen äußeren Einflüssen. Schön wäre es, wenn wir auch ein beschützendes seelisches Immunsystem hätten – oder haben wir vielleicht eins? Und wenn ja, wie lässt es sich stärken?

Resilienz ist der fachliche Begriff für die Fähigkeit, sich trotz widriger Umstände nicht unterkriegen zu lassen. Viele wissenschaftliche Studien haben sich bereits mit Faktoren befasst, die zur Resilienz eines Menschen beitragen. Beziehungen spielen dabei eine besonders wichtige Rolle. Aber auch Religion und Religiosität werden erforscht und welche Auswirkungen sie auf die psychische und physische Gesundheit, auf die Widerstandsfähigkeit und auf das Wohlbefinden des Menschen haben.

In früheren Jahrzehnten hat man die Religiosität schlicht daran gemessen, ob jemand Kirchenmitglied ist oder an der Häufigkeit des Gottesdienstbesuchs. Heute erfasst man stattdessen, ob die Religiosität eine zentrale Bedeutung für die Lebensführung hat. Also wichtig ist dabei nicht, ob jemand Kirchensteuer bezahlt, sondern ob religiöse Werte und Inhalte die praktische Lebensgestaltung prägen.

So ganz pauschal lässt sich aus den Ergebnissen nicht sagen, dass Religiosität eine wichtige Ressource für den Umgang mit belastenden Lebenssituationen und mit Krankheiten ist. Es kommt auf die persönliche Glaubenseinstellung und die Form der Gottesbeziehung an. Bei einem strafenden, strengen, richtenden Gottesbild wird Krankheit eher als Strafe Gottes empfunden und kann den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen.

Zu den positiven Auswirkungen von Religiosität auf die Gesundheit zählen zweifelsfrei die Lebensweise und sozialen Kontakte, die jemand pflegt. Zum Beispiel zu anderen Mitgliedern einer Glaubensgemeinschaft. Für sie gibt es Menschen, die anrufen, die nach dem Wohlergehen fragen. Die vielleicht füreinander beten, sich gegenseitig besuchen und seelisch-moralisch unterstützen. Es sind die sozialen Beziehungen, die religiösen Menschen helfen können, gesund zu bleiben oder mit Krankheiten leichter umzugehen.

Und es sind die Haltungen und Einstellungen, mit denen religiöse Menschen dem Leben begegnen. Tugenden wie Dankbarkeit, wie die Fähigkeit, vergeben zu können, Hoffnung und Vertrauen sind Elemente, die durch alle Religionen vermittelt werden und die sich gerade in einer Krisensituation wie einem Krankheitsfall sehr hilfreich auswirken. Es gibt verschiedene Techniken und Methoden, wie man so eine innere Einstellung der Gelassenheit, des Selbstmitgefühls, des Vertrauens erwerben kann. Und da zeigen die Forschungen relativ deutlich, dass religiöse Menschen ein Plus an Bewältigungsstrategien haben.

Das alttestamentliche Gebet des Psalm 139 ist ein Beispiel aus der biblischen Tradition, wie Glaube stärken kann:  Es beschreibt einen Gott, der uns Geborgenheit gibt, der uns annimmt, so, wie wir sind, der seine Hand schützend über uns hält und der uns geheimnisvoll durch unser Leben führt.

Ich grüße Sie herzlich,

Ihre Gemeindepädagogin

Ute Blum

 

Quellenverweis zu den Studien:

Religion macht stark - Glaube und Psychologie

Funkkolleg 2018/2019 von HR Info

in seiner Reihe "Religion-Macht-Politik"

 

 

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