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KGM2018-2 Gemeindebrief
2018-2 Gemeindebrief

Angedacht

NPTUnser täglich Brot
Unser täglich Brot

»Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.« Joh 6,31


Niels Peter Thomas


„Unser täglich Brot gib uns heute“

Es gibt Sätze, die sind uns so geläufig und so vertraut, dass wir selten länger über sie nachdenken. „Unser täglich Brot gib uns heute“ gehört für mich zu diesen Sätzen. Wir sprechen es oft im „Vaterunser“, aber ich denke meistens nicht weiter über die Bedeutung dieses Satzes nach. Je länger ich jetzt aber darauf schaue, desto mehr fällt mir auf, was sich alles erst auf den zweiten Blick offenbart: Erstens heißt es nicht „Bitte gib uns unser täglich Brot“: im Alltag legen wir Wert darauf, höflich zu sein und kein Anspruchsdenken zu zeigen, wenn wir jemanden um etwas bitten – und gerade hier verzichten wir auf jede Höflichkeit. Heißt das vielleicht, dass es sich hier nicht um einen Gefallen handelt, den wir erbeten, sondern dass wir darauf hoffen dürfen, dass ein gegebenes Versprechen eingelöst wird? Es wird für uns gesorgt werden, und wir müssen nicht darum betteln, sondern der Satz ist mehr eine Erinnerung an die Vereinbarung, dass es uns an nichts mangeln wird. Zweitens heißt es nicht: „Mein täglich Brot gib mir heute“ sondern „unser“ und „uns“. Es geht darum, dass wir alle satt werden, nicht nur der Einzelne. Es geht um die Gemeinschaft, und um Solidarität. Wir bitten also mit diesem Satz nicht nur für uns und für unsere Nächsten, sondern für ganz Bickenbach, und die ganze Welt. Gib uns nicht nur genug, dass wir zu essen haben, sondern verteile auch gerecht, dass jeder etwas bekommt und niemand Hunger leiden muss. Drittens heißt es nicht: „Unser täglich Essen gib uns heute“, sondern „Brot“. Abgesehen davon, dass das Brot in der Bibel an verschiedenen Stellen eine ganz besondere Bedeutung hat, wie zum Beispiel beim Abendmahl oder in der Brotvermehrungsgeschichte, wird es auch im Matthäus-Evangelium erwähnt: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht“. Die Verbindung von Brot für das leibliche Wohl und dem Wort Gottes für das seelische, ist also die mächtige Kombination, die wir suchen und brauchen. Viertens und letztens heißt es nicht: „Gib uns immer genug Brot“, son-dern wir bitten jeden Tag aufs Neue um unsere Tagesration. Wäre es nicht klug von einem fürsorglichen Gott, uns einmal in der Woche das Brot für sieben Tage zu geben, oder uns am besten gleich Geld zu  überweisen, damit wir uns Brot oder auch nur Mehl zum Backen selber kaufen können? Auch im zweiten Buch Mose wird von der Tagesration an Brot gesprochen, das nicht aufgehoben werden soll, und zwar in Form des Wüstenbrots „Manna“. Es heißt: „Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte. Und Mose sprach zu ihnen:
Niemand lasse etwas davon übrig bis zum nächsten Morgen. Aber sie gehorchten Mose nicht. Und etliche ließen davon übrig bis zum nächsten Morgen; da wurde es voller Würmer und stinkend.“ (Ex 16, 18b-20). Soweit muss es mit unserem Brot und unseren Brötchen heute nicht kommen. Wichtig an der Idee der Tagesration ist, denke ich, dass es keinen einzigen Tag geben soll, an dem nicht für uns gesorgt wird und an dem wir uns verlassen fühlen. Göttliche Fürsorge braucht keine Vorratshaltung, sie kommt an jedem Tag aufs Neue. Darum bitten wir, und darauf dürfen wir hoffen: Jeden Tag genug; nicht im Überfluss und nicht zu wenig; und für uns alle. Das Umschlagbild dieser Ausgabe des Gemeindebriefs habe ich am letzten Wochenende in Bickenbach aufgenommen. Eine Bibelstelle im Alltag, die uns mehr zu sagen hat, als es auf den ersten Moment scheint. Was zuerst wie eine Werbung aussieht, entpuppt sich als eine gute Gelegenheit einmal darüber  nachzudenken, dass im Brot mehr drin steckt als Mehl, Wasser, Salz und Hefe.
Niels Peter Thomas

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