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KGM2022-2 Gemeindebrief
2022-2 Gemeindebrief

Angedacht

„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Matthäus 5,9

 

Liebe Leserinnen und Leser,

seit dem 30-jährigen Krieg, 1631, läuten die Glocken der Bickenbacher Stephanskirche an jedem Wochentag vormittags um 10 Uhr und nachmittags um 17 Uhr als Aufforderung zum Gebet für den Frieden. Vielen ist  das seit langem weder bewusst noch ein persönliches Anliegen. Warum? Weil wir uns einen Krieg in Europa  kaum mehr vorstellen konnten. Aufgrund des Einmarschs russischer Truppen in die Ukraine am 24. Februar   2022, Millionen flüchtender Menschen und vielfältiger Wirtschaftssanktionen sind wir unmittelbar gezwungen, uns zu diesem Krieg zu verhalten; sei es durch Gebete, Mahnwachen, Spenden oder auf andere Weise; wir wollen alles für die Wiederherstellung des Friedens tun! Frieden/Schalom ist einer der Schlüsselbegriffe der Bibel und bedeutet wörtlich übersetzt „Unversehrt sein“, „Heil sein“ und „Wohlbefinden“. Der hebräische Begriff Schalom erschöpft sich somit nicht in der negativen Definition als Abwesenheit von Krieg oder im Fehlen von Gewalt. Friede im biblischen Sinne ist weiter gefasst und meint einen lebensfördernden Zustand in der Gemeinschaft von der Familie bis zu Volk und Völkerwelt, die segensreiche Interaktion zwischen Mensch und Natur sowie die Versöhnung zwischen Gott und Mensch. Schalom ist als der bis heute im Judentum entbotene Friedensgruß (Gen 43,27f) ein performativer Akt, der sich im Sprechen ereignet. 

Im aaronitischen Priestersegen (Num. 6, 26) ist Schalom eine Gabe Gottes, die gesegnetes Leben in Gerechtigkeit ermöglicht. Als Symbol für den Frieden ist die Taube mit dem Ölzweig im Schnabel wieder allgegenwärtig. In der biblischen Erzählung von der Sintflut ist sie die Botschafterin für neues Leben jenseits von Vernichtung und Tod. Gott richtet seinen Bund mit den Menschen wieder auf und verspricht: „Nie wieder …“. Als ewiges Zeichen des Friedensschlusses setzt Gott seinen bunten (Regen-)Bogen in die Wolken. Pablo Picasso hat 1949 für den Weltfriedenskongress in Paris die Silhouette einer Taube entworfen. Auf dem Foto links sind beide auf einer sowjetischen Briefmarke von 1981 zu sehen! Picasso lieferte für jeden der folgenden Weltfriedenskongresse in Paris, Berlin, Stockholm, Wien, Rom und Moskau eine neue Interpretation der Friedenstaube. Biblisch betrachtet ist die Taube ein Zeichen des Heiligen Geistes. Nach der Taufe Jesu im Jordan heißt es: „Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.“ Mt. 3,16. Es ist wahrlich kein frommer Wunsch darum zu bitten, dass der Geist Gottes über diejenigen kommen möge, die in Großmachts-Wahn die Welt ins Verderben stürzen!

Ich grüße Sie herzlich und wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest,

Pfarrerin Andrea Thiemann

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